Kunst: Myriam Holme stellt in der Rudolf-Scharpf-Galerie in Ludwigshafen aus

Zauberei um Natur und Kunst

Die Natur eröffnet den großartigen Reigen der Myriam Holme: Große Bambusstangen mit Wurzel bilden die Basis für eine Art Baldachin aus nicht leicht zu entschlüsselndem, aber auf jeden Fall goldfarbenem Material. Wie in einen sakralen Wald tritt der Besucher ein in die Welt der Künstlerin, die sich über die drei Stockwerke der Scharpf-Galerie erstreckt. Schon lange hat sie nicht mehr in der Region ausgestellt, war aber immer aktiv, gründete etwa mit Philipp Morlock 2010 das zunächst temporäre Einraumhaus und dann das nun fixe Modell auf dem Alten Messplatz. Eigentlich sind die beiden Künstler auf diese Art und Weise eher zu Kuratoren geworden.

Umso neugieriger ist man heute auf eine Ausstellung von Myriam Holme, die 1971 in Mannheim geboren wurde und von 1996 bis 2002 an der Kunstakademie in Karlsruhe studierte. Länger sind schon ihre poetischen Materialkombinationen bekannt, ihre experimentelle Mischung aus Malerei und Plastik, der fast alchemistische Umgang mit chemischen Stoffen aller Art.

Aber was sie jetzt hier geschaffen hat in der Scharpf-Galerie ist derart überwältigend und einzigartig in seiner schieren Größe, aber auch seiner Innovationskraft, was auf Fotos gar nicht richtig zu sehen ist. So gestaltete sie jedes Stockwerk anders, wählte andere Farbtöne, andere Verläufe. Ausstellung Myriam Holme in der Rudolf-Scharpf-Galerie in Ludwigshafen

Hemshofstr. 54, bis 6. Dezember, donnerstags, freitags, 15-18 Uhr, samstags, 13 bis 18 Uhr

Im ersten Stock schuf sie eine spannungsvolle Kombination aus schwarzen Edelsteinen (aus Glas geformt) auf Beton, ganz kühl und hart also, mit weich fallenden Stoffbahnen, die die Stockwerke durchziehen und jeweils die Farbklänge mitnehmen. Immer wieder scheinen köstliche, kostbare Farbtöne der sich eigentlich als Malerin bezeichnenden Künstlerin auf: auf Papier aufgetragen, das nicht mehr als solches kenntlich ist, sammeln sich doch Metallteile, Spuren von Beize, Lack und andere farbgebende Stoffe in einem nicht bekannten Terrain.

In der zweiten Etage finden sich etwas bekanntere Variationen wie gefaltete Bleche oder als Malfläche umfunktionierte metallene Bildträger, die aber immer wieder mit überraschenden Farbwirkungen aufwarten. Oder ihr einmaliges Seifenbild gibt es hier: auf Jute ewige Schichten von Seife aufgetragen, auf Risse gewartet und diese mit schwarzer Tusche befüllt. Der Titel ist eine viel poetischere Umschreibung: "von zeit und aberzeit".

Nie gesehene Bilder, erstarrt; dass sich Kraft und Not, Starre und Weichheit, Gewalt und Sanftmut mit lyrischen Bildtiteln paaren, überrascht dann schon nicht mehr: Wenn etwa der goldene Baldachin im Erdgeschoss den Namen trägt "an deinen lichtfühligen rändern", spätestens dann ist der Betrachter vollends verzaubert.

© Susanne Kaeppele - Mannheimer Morgen, Montag, 19.10.2015



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