Kunst: Ruth Hutter zeigt Fotos und Videos in Neustadt

Ironie und Schönheit

Altehrwürdiges Haus und Bad Artist, gespreizte Beine und herrschaftliche Architektur, kann das gut gehen? Aber wenn sich spärlich bekleidete Boxenluder mit verzerrten Gesichtern in heißen Schlitten auf den Rennstrecken dieser Welt tummeln und alle das Gesicht von Ruth Hutter tragen, ist die Ironie, der Spott und die Kritik nicht weit. Denn die 1965 in Ludwigshafen geborene renommierte Foto- und Videokünstlerin ist schon lange am liebsten auf dem Pfad unterwegs, der wehtut, zumindest irritiert und oft durch Ekel zum Innehalten, Nachdenken zwingt. Der eine Strang ihres Schaffens liegt in der Tradition der Wiener Aktionisten nach dem Motto: Nur was Zuschauer und Handelnde verletzt, bringt Selbsterkenntnis und politische Veränderung. Dazu gehört auch bissigster Spott hinsichtlich der Geschlechterrollen und Selbstentäußerung allenthalben.

Bilder voller Melancholie

Aber auch der andere Strang lässt sich ablesen an den neuen Arbeiten der letzten beiden Jahre: Ganz stille, poetische Bilder und Videos, die Melancholie atmen und Vergänglichkeit. Etwa das Video "Deadpiece", in dem ein totes Reh im Wasser schaukelt. Zunächst nicht eindeutig erkennbar auf dem kleinen Screen - es könnte auch ein Stück Tang sein -, stellen sich Gedanken an Tod und Verwesung dann doch ein. Schmerzlich ist das "Lovepiece", in dem Wellen einen Schriftzug im Sand langsam verwischen. Noch vor wenigen Monaten mischte sich Ironie mit purer Schönheit: Wenn etwa im "Fishpiece" aus dem grün-schillernden, sonnenbeschienenen Wasser ein gieriges Karpfenmaul auftaucht, weiß man nicht genau, ob Belustigung oder Ehrfurcht die rechte Reaktion ist. kaepp

© Susanne Kaeppele - Mannheimer Morgen, 15. Oktober 2009



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