Kunst: Der Mannheimer Franz Schömbs suchte nach neuen Darstellungsformen für Zeit und Raum - zu seinem 100. Geburtstag zeigt das Cinema Quadrat seine Filme

Als die Malerei das Laufen lernte

Unverstanden in den 50er Jahren, vom Publikum ausgepfiffen und lange auch in seiner Heimatstadt Mannheim übersehen, ist der Maler und Filmemacher Franz Schömbs doch einer der wenigen Bildkünstler seiner Zeit gewesen, die sich mit der Darstellung von Zeit und Raum ernsthaft und innovativ beschäftigten. Der Mannheimer Germanistin Silvia Köhler ist zu verdanken, dass Ende der 80er Jahre sein Werk wiederentdeckt wurde und seine Filme heute am richtigen Ort, dem Deutschen Filmmuseum in Frankfurt, untergebracht sind.

Sein berühmtester Film, "Die Geburt des Lichts", knüpft an die deutsche Filmavantgarde der 20er Jahre an, an die abstrakten Experimentalfilme etwa von Oskar Fischinger und Hans Richter, die im Taumel des Nationalsozialismus fast untergingen. Zunächst denkt der gebürtige Mannheimer aber nur an die Malerei. Er studiert an der Akademie in Karlsruhe und an einer Grafikschule in Kaiserslautern. Ab den frühen 30ern malt er abstrakt. Angelehnt an diverse Farbenlehren, setzt er sich mit der ästhetischen Wirkung der Farbe auseinander. Ende der 30er Jahre kommt er zu der Einsicht, dass Raum und Zeit nicht zu trennen sind: "Die Wirklichkeit existiert nicht im Raum allein, sondern nur in der Einheit von Zeit und Raum."

Kontakt zu Technikern

In dieser Zeit beginnt Schömbs abstrakte Reihenbilder zu malen, die beim Betrachter im Vorbeilaufen den Eindruck eines zeitlichen Kontimuums erzeugen sollten. Auch nimmt er Kontakt auf zu beim Film beschäftigten Technikern, aber seine Versuche, einen ersten Film zu drehen, scheitern an den Kosten. Die Kunstgeschichte befriedigt ihn nicht mehr auf seiner Suche nach der adäquaten Darstellung der Realität, das Tafelbild hält er für obsolet, die Zentralperspektive für ungeeignet, die Jetztzeit abzubilden. Aber seine Streifen- oder Reihenbilder, die er über Rollen laufen lässt und mit Hilfe eines halbdurchlässigen Spiegels mit der Kamera aufnimmt, zeigen, wie er sich die Malerei von heute vorstellt - bewegt. "Opuscula" (1948) heißt sein erster Film, es folgt ein Experiment mit dem "Inbild" (1955), einem "abstrakten Rundumpanorama", wie es in der Einladung zu einer Schau im Mannheimer Schloss hieß: Innerhalb einer riesigen Kugel wurde der Besucher von farbigem Licht umflossen.

Sein berühmtester Film, "Die Geburt des Lichts", entstand 1957 als Weiterentwicklung seiner Reihenbilder an einem "optischer Integrator" genannten Tricktisch, der Farbspiele ermöglichte, die sich durch Tiefe und Trennschärfe auszeichnen. Interessanterweise ist der Künstler, der sich immer eher als Maler denn als Regisseur begriff, mit seinen Ergebnissen nah am deutschen Informel: Die Gemälde von Hann Trier oder Hans Hartung sind vergleichbar mit seinen Reihenbildern. Im Episodenfilm "Maya" wird Schömbs' "Geburt des Lichts" integriert. Leichter konsumierbar wurde sein Tanzfilm "Den Einsamen allen" (1962), der heute weniger interessant scheint als die "Geburt des Lichts" und der die Farbe transparent in Bewegung versetzte.

© Susanne Kaeppele - Mannheimer Morgen, 25. Juni 2009



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