Kunst: Ana Laibach stellt ihre Arbeiten in Viernheim aus

Diskretion und Malerei

Bunte Vorhänge schützen die Kunst vor indiskreten Blicken von der Straße und verwandeln das Kunsthaus Viernheim in eine romantisch beleuchtete Höhle, in der die Grillen zirpen. So präsentiert sich die Mannheimerin Ana Laibach mit einer Großauswahl ihrer Arbeiten: Malerei, Skizzenbücher in Tagebuchform, modifizierte Fotografie, wie sie es nennt, und Videos. Aber wie! Wer den nüchternen, zweistöckigen Raum schon einmal besucht hat, wird ihn nicht wiedererkennen und sich wundern, woher die 1966 in Braunschweig geborene Malerin ihre ungeheure Energie nimmt. Hat sie doch erst im Herbst ihr neues Atelier, den "Blumenfressersalon" in R 7, eröffnet, der groß ist und viel Renovierungsarbeit verlangte. Und nun sieht man hier in Viernheim lauter neue Arbeiten der ehemaligen Meisterschülerin von Max Kaminski an der Akademie in Karlsruhe.

Die Künstlerin bohrt in der Nase

Im Zentrum ihrer Gemälde wie "blöd Mann" von 2007 steht die Skurrilität. Sie zeigen Laibachs eigenständigen Weg von der kindlichen Figuration der Cobra-Gruppe zu neuen Ufern, lieblich garniert mit comicartigen Gesichtszügen. Überhaupt ist die Selbstinszenierung der Künstlerin spannend. Wer sich in riesigen, fotografischen Selbstporträts mit überdimensionierter, gestreifter Krawatte in der Nase bohrend präsentiert, braucht schon viel Mut, oder? Man sollte unbedingt ihre Insektenkammer besuchen, in der laminierte Küchenschaben mit grotesken Sprüchen zu bewundern sind. Aber auch das Puzzle aus kleinen Bildausschnitten in der oberen Etage lässt nie die große Malerin vergessen, die jenseits aller Seltsamkeiten unglaublich sicher und leuchtend Farbe an Farbe setzt.

© Susanne Kaeppele - Mannheimer Morgen, 17. März 2008



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