DAS NEUE BUCH: Karoline Hille über die Frauen von Max Ernst

Gefährliche Musen

Max Ernst ist in vielen Publikationen gewürdigt worden, sein innovativer Beitrag zum Surrealismus, sein "Vagabundieren" (Zitat Ernst) durch die Welt, seine durch Nationalsozialismus und Zweiten Weltkrieg geprägte Werkbiographie. Aber Max Ernst liebte auch die Frauen, war vier Mal verheiratet mit bemerkenswerten Vertreterinnen des anderen Geschlechts, die nur zum Teil einem größeren Publikum bekannt sind.

Karoline Hille, Kunsthistorikerin und Autorin zahlreicher Bücher über die Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts, nahm das zum Anlass, ein feines Buch über Luise Straus, Helene "Gala" Diakonowa, Leonora Carrington, Peggy Guggenheim und Dorothea Tanning zu schreiben.

Wenig wissen wir etwa über die Jüdin Luise Straus, Ernsts erste Frau, die Kunsthistorikerin und Journalistin war und Mutter des gemeinsamen Sohnes Jimmy. Hille erzählt interessant und spannend über ihr Leben bis zum Tod 1944 in Auschwitz. Als Muse Dalís wurde Helene "Gala" Diakonowa bekannt, aber die aparte Russin war in den 20er Jahren mit dem Dichter Paul Éluard verheiratet und Geliebte von Ernst.

Auch die surrealistische Schriftstellerin und Malerin Leonora Carrington, die am 6. April 2007 90 Jahre alt wurde, war mit Max Ernst liiert, bis der Kriegsausbruch sie trennte. Mit der über 25 Jahre jüngeren englischen Kollegin lebte er zusammen in einem surrealistisch verzierten Haus in Saint-Martin d'Ardèche, bevor der Deutsche in Frankreich von den Nazis verhaftet wurde. Aus dem Kriegsdesaster rettete ihn die berühmt-berüchtigte Kunstsammlerin Peggy Guggenheim, die Ehe hielt aber nicht lange, brachte den Künstler allerdings nach New York. Dort lernte er dann seine letzte Ehefrau kennen, die surrealistische Malerin Dorothea Tanning. Mit ihr lebte er wieder draußen, diesmal in Sedona in Arizona, und schuf dort für ihr gemeinsames Haus seine berühmte Figurengruppe "Capricorne" - die Kunsthalle Mannheim besitzt ein Exemplar in Bronze.

Das lebendig geschriebene, mit zahlreichen (Schwarz-Weiß-)Fotografien versehene Buch ist ein wunderbares Geschenk für alle Kunstinteressierten. Und darüber hinaus ein lesenswerter Versuch über die Emanzipation von Künstlerinnen an der Seite berühmter Kollegen.

© Susanne Kaeppele - Mannheimer Morgen, 12. Juni 2007



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